Im Neuland der Innovationssimulierer

Bereits im Jahr 2002 hat Herbert Grönemeyer in seinem Titel „Neuland“ die Situation beschrieben in der wir uns aktuell in Zeiten der Corona Krise befinden. Besonders treffend wird sein Text wenn man ihn auf die Situation einzelner Unternehmen und besonders die Einzelhändler reflektiert. 

„Komm in die Gänge
Start‘ den Motor im Kopf
Kein Gleichschritt, keine Zwänge
Pack das Schicksal am Schopf…“

Trefflicher kann man es kaum auf den Punkt bringen wenn es um das Mindset der stationären Händler geht, welche derzeit um ihre Existenz bangen. Klagten sie bereits vor der Krise über rückläufige Umsatzzahlen, so wurden sie neuerlich durch den Lockdown noch dramatischer darauf aufmerksam, dass sie den Anschluss an ihre Kundschaft verpasst haben. Man setzte immer auf den klassischen Kundenkontakt im Ladengeschäft. Vereinzelt wurden ab und an die Social Media Kanäle bespielt, jedoch ohne erkennbare Strategie.

Als der primäre Kontaktweg zum Kunden versperrt wurde, begann ein notgedrungenes Umdenken und man erinnerte sich an Möglichkeiten die man mal vom Hörensagen erfahren hatte. Es wurden quasi über Nacht Onlineshops aus dem Boden gestampft und mit Artikeln gefüllt. Man betrat echtes Neuland, tauchte ein in die digitale Welt und versuchte in wenigen Tagen das Versäumnis der letzten Jahre zu kompensieren. 

Schneller als die eingeleiteten Maßnahmen ihre Wirkung entfalten konnten wurden die Erlässe und Verordnungen gelockert und die Geschäfte durften wieder öffnen. So rasant wie der digitale Spirit Einzug gehalten hatte war er auch wieder verflogen. Es war möglich wieder so weiter zu machen wie gewohnt und man machte es. Was zurück bleibt sind Spuren von digitalem Aktionismus und simulierter Innovation. 

Wünschenswert wäre es, wenn man aus den Erfahrungen der vergangenen Wochen gelernt hätte und den begonnenen Weg weiter beschreitet. So jedoch ist es nur eine Frage der Zeit bis die nächste Krise uns erwischt und der Kreislauf beginnt erneut. 

Nutzen wir also die sich bietenden technischen Möglichkeiten und packen unser Schicksal am Schopf. Lassen wir den Aktionismus bleiben, entwickeln Strategien und setzen diese um. Nur so kann sich jeder Unternehmer zukunftssicher aufstellen und seine Existenz auf mehrere Säulen stellen.